Neue Ergebnisse: Klimawandel schneller als je zuvor (21.10.2005 19:52 Uhr)
Der Meeresspiegel könnte in der Nordsee um bis zu 40 Zentimeter ansteigen, das Eis am Nordpol zur Hälfte abschmelzen – sofern weitere klimapolitische Maßnahmen ausbleiben. Das sind Ergebnisse der vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie kürzlich vorgestellten Klimaabschätzung für die nächsten 100 Jahre. Das Bundesumweltministerium fasst die aktuellen Ergebnisse zusammen und gibt eine Einschätzung des angewandten Klimamodells ab.
Insgesamt konkretisieren und stützen erste Interpretationen des neuen Modells bisherige Annahmen über die Entwicklung des Klimas in den nächsten 100 Jahren: Die gegenwärtige Klimaänderung ist stärker als jeder Wandel in den letzten Millionen Jahren.
Weitere wesentliche Ergebnisse sind:
Je nach Annahme über die Entwicklung der Emissionen im 21. Jahrhundert wird bei Ausbleiben weiterer klimapolitischer Maßnahmen mit einer globalen mittleren Erwärmung um 2,5 bis 4,1 °C gerechnet.
Diese Erwärmung führt zu einem Meeresspiegelanstieg im globalen Mittel um etwa 30 Zentimeter, in höheren Breiten jedoch um etwa einen Meter, in der Nordsee um 40 Zentimeter.
Regionale Niederschlagsmuster werden nachteilig beeinflusst: In der trockenen Saison nimmt die Trockenheit zu, in der feuchten Saison der Niederschlag (etwa in Monsun-Gebieten, im Amazonas sowie im Donau-Einzugsgebiet).
Die Eisbedeckung des Nordpols würde um 30 bis 50 Prozent schrumpfen, die Nord-Ost-Passage könnte im September eisfrei werden.
Extreme Ereignisse wie Hitzeperioden, längere Trockenperioden und Starkregenfälle treten häufiger auf. Global wird eher eine Abnahme von schwächeren Stürmen erwartet, Hinweise auf die Zunahme stärkerer Stürme können nicht gefunden werden. Über dem Ost-Atlantik steigen im Winter sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität der Stürme leicht an.
Eine erhöhte Kohlenstofffreisetzung aus Böden und Ozeanen verstärkt die globale Erwärmung zusätzlich und intensiviert den Wasserkreislauf, was wiederum verstärkten Niederschlag zur Folge hat.
Die neuen aufwändigen Berechnungen erfolgten mit dem komplexen gekoppelten Klima-Ozean-Modellsystem ECHAM5/MPI-OM auf dem Höchstleistungsrechnersystem des Deutschen Klimarechenzentrums.
Das Modell ist im Vergleich zu früheren einfacheren Klimamodellen deutlich verbessert worden. Diese Modelle wurden für den 3. Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses Globale Klimaänderungen (IPCC) von 2001 genutzt (IPPC: Intergovernmental Panel on Climate Change; Bericht unter www.ipcc.ch/pub/un/syreng/spm.pdf). Das neue Modell bestätigt die bisherigen Ergebnisse, liefert aber auch weitere Auskünfte über die regionale Ausprägung der Klimaänderung. Beispielsweise werden Niederschlagsmuster jetzt wesentlich besser wiedergegeben, wie der Vergleich von Simulationen des vergangenen Klimas mit Beobachtungen zeigt. Die meisten anderen europäischen Klimamodelle kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Die Ergebnisse werden in den 4. Sachstandsbericht des IPCC aufgenommen. Der Bericht erscheint 2007.
Weitere Informationen:
- Das Nationale Klimaschutzprogramm 2005 und FAQs
- BMU-Broschüre "Das Kyoto-Protokoll - ein Meilenstein für den Schutz des Weltklimas"
Quelle: http://www.bmu.de
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