Alle Atomkraftwerke dürfen weiterlaufen (28.10.2005 09:24 Uhr)
Der "Atomausstieg" macht´s möglich
20.10.2005. Union und SPD wollen laut "Financial Times Deutschland" die bis 2009 geplante Stilllegung von Biblis A und Neckarwestheim-1 aufheben und alle 17 deutschen Atomkraftwerke weiterlaufen lassen. Möglich macht dies das so genannte Atomausstiegsgesetz selbst. Für die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW zeigt dies in aller Deutlichkeit, dass der so genannte Atomausstieg von der rot-grünen Bundesregierung "vollkommen fehlkonstruiert worden ist".
Obwohl der Bevölkerung der Ausstieg aus der Atomenergie als beschlossene Sache verkauft worden ist, können jetzt CDU/CSU und SPD elegant die im Atomgesetz vorgesehene Möglichkeit der "Strommengenübertragung" von einem Atomkraftwerk auf ein anderes nutzen, um für gefährliche Anlagen wie Biblis A und Neckarwestheim-1 den Weiterbetrieb zu ermöglichen. "Eine Änderung des neuen Atomgesetzes ist für diesen Deal noch nicht einmal erforderlich", kritisiert der Atomenergieexperte Henrik Paulitz von der IPPNW.
Biblis am 8. Februar 2004: Ein Sturm führte fast zum Super-GAU
Die IPPNW hält den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke für verantwortungslos: "Wie die Vergangenheit gezeigt hat, reicht schon ein Blitzschlag oder ein Sturm, dass es zum gefürchteten 'Notstromfall' kommen kann." Am 8. Februar 2004 ist beispielsweise in Biblis in Folge eines Sturms beinahe die gesamte Stromversorgung zusammengebrochen. "Wenn künftig bei einem Notstromfall auch noch die Notstromdiesel ausfallen, so wie dies in der Vergangenheit schon vielfach geschehen ist, dann haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit den Super-GAU im Rhein-Main-Gebiet", so Paulitz.
"Wenn schon ein kräftiger Windstoß ausreicht, um ein deutsches Atomkraftwerk lahm zulegen", dann sollten die Atommanager und die Politiker darüber nachdenken, was sie der Bevölkerung zumuten", mahnt Paulitz.
"Es scheint, dass die Politiker und die Vorstandschefs der Konzerne die Realität im Lande nicht mehr mitbekommen. Vielleicht ist der neue Umweltminister ja dazu bereit, sich den Fall vom 8. Februar 2004 noch einmal näher anzuschauen, um dann zu entscheiden, ob das Atomkraftwerk Biblis nicht aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden muss."
Quelle: http://www.ippnw.de
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