Reaktor in Tschernobyl ist Gefahr fuer die Umwelt (12.04.2006 09:52 Uhr)
Reaktor in Tschernobyl ist Gefahr fuer die Umwelt
Greenpeace legt Bericht zum Zustand der Schutzhuelle in Tschernobyl vor
Hamburg, 12. 4. 2006 - Der Zustand des havarierten Reaktors 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine ist zwanzig Jahre nach dem Unfall katastrophal. Das geht aus einem Bericht hervor, den Greenpeace
heute vorlegt. Die Schutzhuelle aus Stahl und Beton, mit der die
Reaktorruine von der Umwelt abgeschottet werden soll, ist vom Einsturz
bedroht. Von acht Projekten, mit denen der so genannte Sarkophag
stabilisiert werden sollte, sind nur drei umgesetzt worden. Urspruenglich sollten die Massnahmen bis 2006 abgeschlossen sein. Bis heute gibt es kein Gesamtkonzept zur langfristigen Absicherung der Ruine.
"In den letzten 20 Jahren ist viel zu wenig geschehen, um die Region vor dem explodierten Reaktor zu sichern", sagt Thomas Breuer, Atom-Experte von
Greenpeace. "Auch die Atomindustrie und der Einsatz von Milliarden
Steuergeldern aus den Staatskassen der Industrielaender brachten keine Loesung fuer Tschernobyl."
Die Schutzhuelle wurde im ersten halben Jahr nach der Reaktorkatastrophe hastig und unter schwierigsten Bedingungen errichtet. Die Konstruktion ist
instabil. In der Aussenwand klaffen Loecher, durch die der Wind
radioaktiven Staub herausblaest und Regenwasser eindringt. Wuerde der Reaktor einstuerzen, wuerde eine radioaktive Staubwolke die Menschen in der Region erneut bedrohen und zusaetzlichen Strahlenbelastungen aussetzen.
Dieser Gefahr will das Konsortium aus 28 Geberlaendern und der ukrainischen Regierung mit zwei Massnahmen begegnen. Der Sarkophag soll wie bislang geplant stabilisiert und ausgebessert werden. Zudem soll eine neue grosse Schutzhuelle ueber den Reaktor geschoben werden. Dieses Projekt weist zwei schwere Maengel auf: Es bietet keine Loesung fuer das Hauptproblem, die hochgradig radioaktive Masse, zu der die Brennstaebe mit dem Baumaterial des Reaktors vor 20 Jahren verschmolzen. Was mit dieser Masse passieren soll, wie sie geborgen oder behandelt werden soll - dazu findet sich nichts
in dem Plan. Ausserdem ist auch die zweite Schutzhuelle nur eine
Uebergangsloesung: Sie soll 50 bis 100 Jahre halten.
"Damit ueberlassen wir die Probleme von Tschernobyl den nachfolgenden Generationen, weil niemand in der Lage ist, Folgen der Katastrophe auch nur annaehernd zu loesen", erklaert Breuer. "Die Baustelle Tschernobyl zeigt:
Wir Menschen beherrschen nicht einmal die Aufraeumarbeiten eines
Atomunfalls. Geschweige denn die Atomkraft selber."
Greenpeace fordert, alle Atomkraftwerke so schnell wie technisch moeglich
abzuschalten und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO)
umzuwandeln: Sie soll nicht laenger die zivile Nutzung der Atomkraft foerdern, sondern den weltweiten Ausstieg aus der Atomkraft beaufsichtigen.
Quelle: http://www.greenpeace.org
Dieser Artikel wurde bereits 646 mal gelesen.