Greenpeace-Studie: Alltags-Chemikalien schaden der Fortpflanzung (03.05.2006 08:53 Uhr)
Greenpeace-Studie: Alltags-Chemikalien schaden der Fortpflanzung
Bundesregierung soll sich fuer unbedenkliche Alternativen einsetzen
Hamburg, 2. 5. 2006 - Chemikalien koennen die menschliche Fortpflanzungsfaehigkeit massiv beeintraechtigen. Das geht aus einer heute in Hamburg veroeffentlichten Greenpeace-Studie hervor, in der die Organisation den Stand der Forschung darstellt. Die Chemikalien entweichen aus Alltagsprodukten wie Kleidungsstuecken, Lebensmittelverpackungen, Kosmetikartikeln, Computern, Teppichen oder Konservendosen. Ueber die Haut, die Nahrung oder beim Atmen gelangen sie in den menschlichen Koerper. Die seit laengerem umstrittene europaeische Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) bietet die Chance, Maenner und Frauen besser vor fruchtbarkeitsschaedigenden Stoffen zu schuetzen. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich bei den im Sommer anstehenden Verhandlungen in Bruessel dafuer einzusetzen, gefaehrliche Chemikalien durch unbedenklichere Alternativen zu ersetzen.
"Die Regierung beklagt, dass in Deutschland zu wenig Kinder geboren werden. Aber sie unternimmt viel zu wenig gegen die chemischen Gefahren fuer die Fortpflanzung und scheut vor der Industrie zurueck", sagt Chemieexpertin Ulrike Kallee von Greenpeace. "Es ist kriminell, Chemikalien in Verbraucherprodukten einzusetzen, die das Kind im Mutterleib schaedigen oder zu Krebs fuehren koennen." Nach der neuen Studie "Our reproductive health and chemical exposure" ("Fruchtbarkeit und Chemikalienbelastung") hat die Qualitaet der maennlichen Spermien in den letzten fuenfzig Jahren rapide abgenommen. Auch Hodenkrebs wird immer haeufiger diagnostiziert. Die Anzahl von Missbildungen der Geschlechtsorgane bei Neugeborenen nimmt stetig zu. Mehr als doppelt so viele Paare als noch in den sechziger Jahren bleiben ungewollt kinderlos.
Im Mittelpunkt der Greenpeace-Studie stehen die Schadstoffe Phthalate, Alkylphenole, bromierte Flammschutzmittel, kuenstliche Moschusverbindungen, Organozinn-Verbindungen und Bisphenol A. Diese Chemikalien machen aber nur einen Bruchteil des Problems aus: Schaetzungsweise 100.000 Chemikalien werden weltweit produziert. "Die meisten Chemikalien wurden nie auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen geprueft. Trotzdem werden sie in grossen Mengen in Produkten eingesetzt, die man im Supermarktregal oder im Badezimmerschrank findet. Die Politiker muessen die chemische Industrie endlich zur Raeson bringen", fordert Kallee.
Die REACH-Verordnung der EU soll zukuenftig die Herstellung und Verwendung von Chemikalien regeln. REACH koennte die Belastung mit einigen der gefaehrlichsten Chemikalien verringern, wenn diese - wie vom Europaparlament im November 2005 entschieden - durch weniger gefaehrliche Alternativen ersetzt werden muessten. Die Minister im EU-Wettbewerbsrat hatten sich Ende letzten Jahres gegen eine solche Regelung ausgesprochen. Nach ihrem Willen sollen gesundheitsschaedliche Chemikalien auch weiterhin vermarktet werden koennen. Im Oktober 2006 wird REACH in zweiter Lesung im Europaparlament verhandelt. Die chemische Industrie setzt alles daran, die Verordnung aufzuweichen, und verharmlost die Gefahren der Chemie im Alltag.
Quelle: http://www.greenpeace.org
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