Klassische Rechtsstreitigkeiten in der Familie

Rechtsstreitigkeiten innerhalb der Familie

Seine Familie kann sich niemand aussuchen. Dennoch gestalten sich die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Mehrzahl der Familien weitgehend harmonisch. Kleinere Meinungsverschiedenheiten gehören zum Alltag und lassen sich in der Regel mit einem offenen Gespräch klären. Mitunter kracht es jedoch richtig. Entbrennt beispielsweise zwischen Geschwistern ein Streit um das Erbe der Eltern oder können sich getrennt lebende Eltern nicht über das Sorgerecht für die Kinder einigen, bleibt den Beteiligten oft keine andere Lösung, als vor Gericht zu ziehen. Solche gerichtlichen Auseinandersetzungen innerhalb der eigenen Familie sind schmerzhaft, aber leider nicht zu vermeiden. Ist das Urteil gesprochen, besteht erfahrungsgemäß eine reelle Chance, das Familiendrama mit professioneller Unterstützung zu beenden. Erfahrungsgemäß glätten sich nach der gerichtlichen Entscheidung die Wogen allmählich.

Wenn Familienbande reißen

RichterinIn einer intakten Familie fühlen sich fast alle Menschen wohl und geborgen. Im Idealfall wachsen Kinder hier behütet auf und werden von beiden Eltern und anderen Verwandten liebevoll auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter begleitet. Leider zeigt diese Idylle oft schon nach wenigen Jahren Risse. Nicht immer hält die Liebe – wie vor dem Traualtar versprochen – ewig. In Deutschland wird etwa jede dritte Ehe geschieden. Im Durchschnitt halten Ehen hierzulande etwa 14 Jahre.

Nur wenigen Paaren gelingt es, diese Trennung von Tisch und Bett ohne Unterstützung von außen zu meistern. Wer eine Scheidungsklage einreichen will, muss sich vor Gericht von einem Rechtsanwalt beziehungsweise von einer Rechtsanwältin vertreten lassen. Ein guter Rechtsbeistand berät den Ratsuchenden umfassend. Dabei geht es unter anderem um vermögensrechtliche Fragen, Rentenansprüche, Unterhaltsverpflichtungen und vor allem um das Sorgerecht, falls das Paar gemeinsame Kinder hat. Im Falle einer einvernehmlichen Scheidung können sich beide Partner im Scheidungsprozess von einem Anwalt vertreten lassen und auf diese Weise Kosten sparen.

Streit um den Unterhalt für Kinder

Kinder zu haben, ist ein teures Vergnügen. Das weiß jeder, der selbst Nachwuchs hat. Heranwachsende brauchen viel mehr als ein solides Dach über dem Kopf, Kleidung und regelmäßige Mahlzeiten. Betreuung in der Kita, Mitgliedsbeiträge im Sport-Verein, Musikunterricht und andere wichtige Dinge kosten viel Geld. Für Alleinerziehende ist es besonders schwierig, diese finanzielle Belastung zu tragen. Darum muss jeder Elternteil seinen Beitrag leisten, damit das Kind wegen der Trennung der Eltern nicht noch zusätzlich benachteiligt wird. Entzieht sich der Partner beziehungsweise die Partnerin dieser gemeinsamen Verantwortung, muss der alleinerziehende Elternteil auf Zahlung von Unterhalt klagen. Der Unterhalt für Kinder wird nach Anhörung beider Seiten vom Gericht nach der Düsseldorfer Tabelle festgesetzt.

Regelung des Umgang mit Kindern

Wesentlicher schwieriger ist es in der Praxis, wenn sich getrennte Partner nicht über das Umgangsrecht mit den Kindern einigen können. Dann muss im ungünstigsten Fall das Familiengericht festlegen, wie oft und wie lange ein Elternteil seine Kinder sehen darf. Für diesen schwierigen Bereich gibt es verständlicherweise keine gesetzlichen Regelungen. Der Richter beziehungsweise die Richterin haben dann die schwierige Aufgabe, eine Regelung zu finden, die für das Wohl des Kindes optimal ist. Dabei gehen die Richter in der Regel davon aus, dass beide Elternteile für die gesunde Entwicklung eines Kindes wichtig sind. Verweigert der Partner das Umgangsrecht, muss er klare Argumente dafür haben. Vater oder Mutter müssen in diesem Falle stichhaltige Gründe vorbringen, warum der Umgang die Entwicklung des Kindes durch Kontakt mit dem anderen Partner gestört wird. Das könnte beispielsweise bei einer Suchterkrankung oder bei Misshandlung des Kindes der Fall sein.

Streit um das Erbe

Schon manche Familie ist zerbrochen, weil sich die Hinterbliebenen im Erbfall nicht einigen konnten. Um so etwas zu vermeiden, sollte sich jeder rechtzeitig Gedanken darüber machen, was nach seinem Tod mit dem Nachlass geschieht. Die formalen Vorschriften sind unkompliziert. Ein Testament muss handschriftlich verfasst, mit Datum versehen und unterschrieben sein. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht erforderlich. Dennoch empfehlen Fachleute, sich juristisch beraten zu lassen. Für Laien ist es schwierig, den letzten Willen so zu formulieren, dass der eigene Wunsch unmissverständlich offenbar wird. In solchen Fällen passiert es leider immer wieder, dass sich beispielsweise Geschwister tief entzweien. Oft geht es dabei nicht wirklich um materielle Dinge., sondern um seelische Verletzungen in der Vergangenheit. Können sich die Beteiligten nicht einigen, muss ein Richter urteilen und für eine gerechte Verteilung des Erbes sorgen.

Finanzierung von Rechtsstreitigkeiten

Für Auseinandersetzungen in Familien ist das Familiengericht beim Amtsgericht zuständig. Die gesetzlichen Grundlagen für die Regelung von Familiensachen finden sich im Familienverfahrensgesetz (FamFG). Rechtsstreitigkeiten sind mit Kosten verbunden. Das sollte jedem klar sein, der eine Klage bei einem Familiengericht oder einem anderen Gericht einreicht. Es fallen Prozess- und Anwaltskosten an. Unterliegt der Klagende, muss er zusätzlich die Anwaltskosten der Gegenpartei übernehmen. In Familiensachen ordnet der Richter häufig die Kostenaufhebung an. Das heißt, beide Seiten tragen jeweils die eigenen Anwaltskosten und die Hälfte der Gerichtskosten. Wer rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, kann hoffen, dass die Versicherung nach Prüfung des Sachverhaltes und der Erfolgschancen die Kosten übernimmt. Wer das Geld nicht zur Verfügung hat, sollte trotzdem nicht darauf verzichten, für sein Recht zu streiten. Minikredite oder Sofortkredite finden Betroffene mit Hilfe einschlägiger Internetportale. Mit wenigen Klicks und minimalem Zeitaufwand lassen sich die Konditionen verschiedener Anbieter vergleichen.

Auch bei Rechtsstreitigkeiten in der Familie besteht Anwaltszwang. Das heißt, die streitenden Parteien müssen sich durch Rechtsanwälte vertreten lassen. Hinsichtlich der Vergütung der Rechtsanwälte gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) regelt den Kostenrahmen für die Vergütung. Manche Rechtsanwälte berechnen ein Stundenhonorar für die juristische Beratung. In einigen Kanzleien ist die Erstberatung der Mandanten kostenlos. Will der Mandant beziehungsweise die Mandantin den Klageweg beschreiten, bereitet der Anwalt die Klageschrift vor und reicht diese beim Gericht ein. Damit das Gericht tätig wird, muss der klagende einen Gerichtskostenvorschuss zahlen. Der wird nach dem Streitwert bemessen. Um auch Menschen mit geringem Einkommen nicht vom Klageweg auszuschließen, gibt es in Deutschland die Möglichkeit, für Klagen am Familiengericht Verfahrenskostenhilfe zu beantragen. In diesem Falle erfolgt eine Vorprüfung,. Der Richter bildet sich eine Meinung, ob die Klage eine Aussicht auf Erfolg hat. Erhält der Antragsteller von seiner Rechtsschutzversicherung eine Zusage über die Kostenübernahme, ist er verpflichtet, das Gericht darüber zu informieren.

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