Mythen rund um Ökostrom und was wirklich stimmt

Ökostrom

Nach mehr als 20 Jahren nachdem die ersten Pioniere Solaranlagen auf ihren Dächern und Windräder auf den Feldern errichtet haben, herrschen immer noch einige weit verbreitete Irrtümer. Dieser Beitrag soll Klarheit schaffen, über herrschende Vorbehalte und was dahinter steckt.

Ökostrom enthält grauen Strom

Das Marketing der Ökostromanbieter verheißt Elektrizität aus erneuerbaren Energien, wie beispielsweise aus Solarkraftwerken oder Windkraftanlagen. Fossile Brennstoffe und Atomenergie sind ausgeschlossen. Tatsächlich, und darauf basiert der Mythos, ist das Stromnetz natürlich gefüllt mit allen Arten von Strom. Der Verbraucher hat demnach keinen Einfluss auf seinen individuellen Strommix. Das lässt sich mit einem See vergleichen, in den Wasser aus verschiedenen Zuläufen fließt. Natürlich vermischt sich die aus erneuerbaren Energien gewonnene Elektrizität mit grauem Strom. Also stimmt der Mythos und Ökostrom ist sinnlos?

Nein, denn wer den Ökostromtarif wählt, unterstützt den Wandel hin zu den erneuerbaren Energien. Denn je mehr Menschen Ökostrom beziehen, desto größer wird der Anteil an grünem Strom im deutschen Strommix. Zurück zur See-Metapher: Neben Stromfluss existiert nämlich auch ein Geldfluss vom Verbraucher hin zum Erzeuger. Steigt die Nachfrage für Ökostrom, fließt mehr Geld an deren Erzeuger, also Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, dementsprechend fließt weniger Geld an klassische Stromerzeuger. Klassische Kraftwerke haben im Vergleich zu PV- und Windkraftanlagen hohe Fixkosten, welche bei geringer Nachfrage ab einem gewissen Punkt unrentabel werden. Da, wie bei fast allen Transaktionen, auch am Strommarkt der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommt, erhöht dieser Effekt den Anteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz zusätzlich.

Ökostrom kostet mehr als normaler Strom

Kommen wir zum zweiten Mythos: Ökostrom ist teurer als herkömmlicher Strom. Wie bereits erwähnt, verdrängt Ökostrom nach und nach klassische Kraftwerke. Besonders Strom aus Photovoltaik-Anlagen macht teure Spitzenlastkraftwerke zunehmend überflüssig. Wenn tagsüber der Stromverbrauch am höchsten ist, liefern die Anlagen den größten Beitrag. Aber auch bei schlechterem Wetter, also selbst im Frühjahr und Herbst, werden die Spitzenlastkraftwerke kaum noch benötigt.

Ein Preisvergleich der Bundesnetzagentur verglich 2020 Grundversorgungstarife mit Ökostromtarifen. Ökostrom ist etwa zwei Cent pro Kilowattstunde günstiger. Grundversorgungstarife gelten ohnehin als teurer, daher lässt das Ergebnis kein eindeutiges Urteil zu. Viel wahrscheinlicher ist, dass Stromanbieter ohne ein Ökostromversprechen günstigere Tarife bieten können. Dennoch, die Aussage, dass Ökostrom ein teurer Luxus ist, kann klar verneint werden. Zudem ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom, dass 55 % der deutschen Haushalte noch nie ihren Stromanbieter gewechselt haben. Ein Indiz dafür, dass der Preis alleine womöglich nicht der entscheidende Faktor für die allgemeine Bevölkerung bei der Wahl des Stromanbieters ist.

Ein Wechsel zu Ökostrom birgt Risiken

Tatsächlich ist die Meinung verbreitet, dass bei einem Anbieterwechsel die Gefahr groß ist, ohne Strom dazustehen. Egal, ob Ökostrom- oder “normaler” Anbieter, in Deutschland steht niemand so einfach ohne Strom da. Diese Tatsache ist sogar gesetzlich geregelt. Auch wenn einige denken, dass bei Strom aus Wind- und Solarkraftwerken eine Stromunterbrechung droht, wenn der Wind mal nicht weht oder die Sonne nicht scheint, muss man sich darüber keine Sorgen machen. Generell ist die Stromversorgung in Deutschland gesichert. Spitzen, die bei starker Sonneneinstrahlung oder Sturm entstehen, werden genauso abgefangen wie Tage, an denen es windstill ist und Flaute in den Windkraftanlagen herrscht. Wer einen Ökostromtarif wählt, muss daher keine Angst haben, dass er ohne Strom dasteht.

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